Gletschertour Großvenediger

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Los gings am Samstag: Aufstehen um 4:30 beim Houns in Graz, Frühstück und letzte Vorbereitungen neben dem schlafenden Studenten "Mr. Launge Zodan und Gitziboat" der sich von uns nicht stören ließ. Christoph, unser Guide, kam um halb 6, und dann brachen wir auf. Noch schnell Auto geparkt und Fleure und Philipp eingepackt, und schon waren wir auf der Autobahn Richtung Lienz.

4h später Ankunft in Hinterbichl, dann begann der spaßige Teil der Sache. Insgesamt 5h Aufstieg zum Defereggerhaus auf 2900 hm, vorbei an glasklaren Bächen und umgeben von beeindruckendem Panorama. 100hm unter dem Haus sehen wir schon mehrere Leute heraussen stehen und was wir befürchten bewahrheitet sich: das Bettenlager für 12 Leute müssen wir uns mit 17 anderen Bergenthusiasten teilen...

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht stehen wir um 0630 auf, machen uns zum Frühstück ein feines Inzersdorfer Reisfleisch warm (nicht heiss, dafür wars zu kalt) und bereiten uns auf den Gletscher vor: Tourenhose, Funktionsjacke, Hüftgurt, Sonnenbrille, Handschuhe, etc. Nochmal die Karabiner und Reepschnüre überprüft und auf gehts. Beim Raufgehen fällt mir ein, dass ich noch die Steigeisen anprobieren hätte wollen, aber auf die Idee bin ich am Vorabend nicht mehr gekommen. Egal, machma's halt just in time direkt im Gletscher, sonst wärs ja ka Gaude ;)

Gut wir kommen recht schnell beim Einstieg in den Gletscher an. Jetzt wirds interessant - alle 5 binden sich ins Seil ein, wir montieren die Steigeisen und hatschen los. Hinter uns schon die nächste Gruppe - einige mit Skiern, die meisten per pedes wie wir. An mehreren Gletscherspalten vorbei ziehen wir unsere Spur in Richtung Gipfel, 600 hm über gefrorenen Schnee. Das Panorama wird immer Besser, die Geräuschkulisse besteht nur aus dem Scharren der Steigeisen und dem eigenen Atem. Die Gedanken schweifen ab, doch nicht zu weit, da das Steigen mit den Eisen gewöhungsbedürftig ist, und man bei Unachtsamkeit schnell ums eigene Gleichgewicht kämpfen muss.

Nach mehr als einer Stunde Anstieg ist der Gipfel in greifbarer Nähe, nur mehr 50m Grat trennen uns vom Kreuz. Da taucht hinter uns ein Skyrunner auf, der mit leichten Wanderschuhen, ohne Sicherung und sportlicher Leichtigkeit an uns vorbeijoggt und den Gipfel vor uns erreicht. Hut ab, beachtliche Leistung. Er stoppt seine eigene Zeit ab und es ist anzunehmen, dass er dies nicht zum ersten Mal macht. Der Gipfel heißt uns mit eisigem Wind willkommen und läßt uns wissen, dass wir nicht lange gedultet sind. Hier heroben, am dritthöchsten Gipfel Österreichs, fühlt man schon etwas Stolz über die eigene Leistung aufkeimen. Wir folgen den Hinweisen des Bergs und machen uns nach dem obligatorischen Gipfelfoto daran, wieder abzusteigen - die Skitourengeher und Teile der anderen Gruppen haben den Gipfel mittlerweile ebenfalls erreicht - da läuft der Skyrunner mit einem Kollegen schon munter dem Ende des Gletschers entgegen und verschwindet bald aus unserem Blickfeld.

Eine gute Stunde später sitzen wir auch schon gemütlich beim Defereggerhaus in der Sonne u schneiden unsere Jausn ein. Der Temperaturunterschied zum Gipfel fällt hier besonders auf, wir sitzen oben ohne in der prallen Sonne, während mir eine Stunde vorher fast die Finger abgeforen wären. Ein feiner Mix an Gefühlen entsteht hier auf 2900hm, man ist entrückt von der Welt da unten. Dennoch starten wir bald darauf unseren Abstieg, der mit ca 4h angegeben ist. Wir lassen uns nicht lumpen und joggen die 700hm zur Johannishütte in einer Stunde runter, wieder vorbei an den eisklaren Bächen und dem warmen Tal entgegen. Um 4 sind wir beim Auto, um 6 bei Leonardo in Lienz, und ein paar Stunden später ist der Traum vorbei und das Berufsleben hat uns alle wieder.

Die Sehnsucht nach dem Berg hat wieder neue Nahrung bekommen. Vielen Dank an Christoph, Houns, Fleure und Philipp für das unvergessliche Wochenende.

Fotos zur Story gibts hier!

Ryneezurück